Immer mehr Online-Plattformen für Fundraising in allen Lebenslagen

28 Feb 2017
Andreas Cueni

Eine lange Reihe neuer Online-Plattformen dienen sich Organisationen als originelle Instrumente im Fundraising an, mitten im vollen Leben wie auch an dessen Ende.

Online-Informations- und Zahlungs-Plattformen konstruieren scheinen viele Zeitgenossen zu beherrschen. So kommen zu den Dutzenden bereits bestehenden Angeboten im Land fast im Monatsrhythmus neue dazu, und sie wollen in bisher uneroberten Lebenswelten Dienste leisten. Sich eine Übersicht verschaffen und frequenzstarke identifizieren ist aufwendig, eine kommerzielle Orientierung ist allen gemein.

Aktivisten- oder Peer-to-Peer-Fundraising

Im Dezember 2016 startete CommitMe. Die aus dem Tabakpräventionsfonds mitfinanzierte Seite will Gewinner-Situationen für alle Beteiligten schaffen. Nutzer deklarieren öffentlich Wetten gegen sich selbst; verlieren sie ihre eigenen Versprechen für eine gesündere Lebensgestaltung, ist eine Spende an eine Organisation fällig. Und Freunde können sich an den Wetten beteiligen und so deren Wirkung steigern. Community- und Corporate-, Gegen- und Supporter-Wettmöglichkeiten sollen in den kommenden Monaten dazukommen. Fünf Unternehmen haben an der Plattform mitgewirkt; diese erhält 3 % der Spenden: www.commitme.ch.

Eine vergleichbare Absicht hat SponsorMyAction. Seit Mai 2015 können hier Spendenaktionen mit einer «Herausforderung Deiner Wahl verbunden» werden. Sportanlässe, Schnauz wachsen lassen, mit dem Rauchen aufhören bietet die Seite als erste Ideen an. Dahinter steht die SponsorMe Gmbh, die sich vor einem Namen- und Domizilwechsel der Inbetriebnahme von Energieanlagen widmete. Die Seite erhebt eine Kreditkartengebühr und ruft zu ihrer freiwilligen Unterstützung auf. 15 Organisationen haben sich bisher registriert: www.sponsormyaction.ch.

I believe in you kombiniert auch Sport und Spenden; allerdings gehen hier die Spenden an ambitionierte Sportlerinnen und Sportler sowie ihre Teams für deren eigene Entwicklung; eine klassische Crowdfunding-Seite: www.ibelieveinyou.ch

Crossiety ist der digitale und damit selbst deklarierte «modernste Dorfplatz» der Macher von Sosence, die dafür im Herbst 2015 eine eigene AG gründeten. Er will Menschen in einer Gemeinde oder Region zusammenbringen und ihnen auch lokale Spendensammelaktionen erleichtern. www.crossiety.ch

Dagegen beansprucht ammado die ganze Welt für sich, und das seit 2005, auch wenn die Ammado AG in Zug, wo der Hauptsitz für das globale Unternehmen angesiedelt ist, sich erst 2011 ins Schweizer Handelsregister eingetragen hat. Auch Ammado erlaubt Personen, Sammelaktionen für Organisationen zu starten, und zwar für 1,6 Millionen von ihnen in 140 Ländern! Es lässt diese eigene Spenden-Widgets oder Geschenkkarten einrichten und ruft auch Unternehmen auf, seine technischen Funktionen zu nutzen: www.ammado.ch.

Maik Meid und Jörg Reschke zählen solche Angebote zum «Aktivisten-Fundraising». «Anders als bei Spenden-Plattformen stehen im Aktivisten-Fundraising nicht die Organisationen oder ihre Projekte im Vordergrund, sondern die Menschen, die eine Aktion durchführen» («Fundraising», Handbuch der Fundraising-Akademie, Seite 742). Eine Bindung der Spendenden zu den Organisationen herzustellen mag also eine anspruchsvolle Herausforderung darstellen.

Fundraising ums Lebensende

Wie das Leben kann auch das Sterben online stattfinden, mindestens was für nützliche Dienstleistungen angeht. In jüngster Zeit kontaktierte die Plattform DeinAdieu Organisationen; sie versteht sich seit Ende 2015 als Hilfe für die Planung von Patientenverfügungen, Nachlässen und Bestattungen und ist ein Produkt der EMNA Web GmbH. Sie bietet einen Generator für die Erstellung von Dokumenten und einen digitalen Tresor für deren Aufbewahrung: www.deinadieu.ch.

Die Moribono AG beschränkt sich seit 2012 vorwiegend auf Werkzeuge, welche die Nachlass-Planung von Privaten unterstützen. Dazu gehört eine Sofort-Überprüfung der persönlichen Situation im Hinblick auf die Optionen zur Testamentserstellung, die auch MyHappyEnd nutzt, die Gemeinschaftskampagne  der Nonprofit-Organisationen: www.moribono.ch.

Andere Angebote auf dem Gebiet funktionieren weniger interaktiv, stehen aber teils seit einem Jahrzehnt Organisationen zur Verfügung: z.B. die französischsprachige Tamedia-Seite www.hommages.ch, die eine Liste mit zu begünstigenden Organisationen führt. Auch hinter vergleichbaren Angeboten stehen seit Jahren regionale und nationale Verlagshäuser, die versuchen, Traueranzeigen nicht mehr nur gedruckt, sondern online zu gewinnen – ebenso Werbegelder von Bestattungs-Dienstleistungs-Unternehmen und Organisationen, die sich Begünstigung wünschen: sich-erinnern.ch ebenfalls von Tamedia, www.gedenkzeit.ch der AZ Medien, www.trauerportal-ostschweiz.ch der Tagblatt Medien in St. Gallen, www.abschied-nehmen.ch von Somedia in Chur, trauer.nzz.ch und trauer.luzernerzeitung.ch. Agenturen haben mit mehr oder weniger ästhetischem Anspruch teils erst 2016 Plattformen lanciert: www.todesanzeigenportal.ch, www.schweiz-gedenkt.ch, www.trauerportal-schweiz.ch. Dagegen zündet die von einer Privatperson stammende Seite www.mortalino.ch seit 2001 Kerzen im Netz, und www.trauerfall.ch ist schon lange die digitale Ergänzung zu den monatlichen Print-Seiten des Spendenspiegels in den Tagblättern von Zürich und St. Gallen sowie im Tages-Anzeiger.

Bei Spenden im Todesfall stellt sich wie im Aktivisten-Fundraising für Fachleute die Aufgabe der adäquaten Behandlung der Gebenden für nachhaltiges Fundraising. Eine Spende bedeutet keinesfalls zwingend eine Neigung zur berücksichtigten Organisation; die muss erst geschaffen werden und gelingt erfahrungsgemäss oft nicht.