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25 Jahre Swissfundraising (IV): Gründungsmitglieder im Interview – Barbara Crole

06.08.2019

Teil 2 unserer «Interview-Trilogie» mit Gründungsmitgliedern von Swissfundraising: Dieses Mal sprechen wir mit Barbara Crole, der ersten Vizepräsidentin von Swissfundraising, über ihre Perspektive, Erfahrungen und Erlebnisse in der 25-jährigen Verbandsgeschichte.

Swissfundraising feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Du bist nicht nur Gründungsmitglied, sondern warst auch im ersten Vorstand. Warum hast du dich damals für die Schweizerische Gesellschaft der Fundraising-Fachleute engagiert?
Meine Schwester wohnt in den USA und die Spendenbriefe, die sie immer erhielt, faszinierten mich, weil ich die Schwierigkeiten der Finanzierung der Hilfswerke, wie man sie damals nannte, miterlebte. Ich arbeitete als Bibliothekarin bei der Schweizerischen Fachstelle für Alkoholprobleme SFA, die teilweise von Spenden lebte, dort übernahm ich dann das Fundraising bzw. die Mittelbeschaffung. In den USA lernte ich auch die Dachvereinigung der Hilfswerke kennen und ging mit dieser Idee zu Gerhard Grossglauser, der später Präsident wurde und den Verein sehr erfolgreich und kompetent aufbaute.

Welche Rolle hast du im damaligen Vorstand übernommen? Was war dir wichtig?
Ich wurde Vizepräsidentin und blieb dies auch lange Jahre. Wichtig erschien mir immer, die Aus- und Weiterbildung der Fundraiser zu fördern. Diese Berufsbezeichnung gab es damals nicht. FundraiserInnen waren einfach «Bettler auf gehobenem Niveau», Mailings waren «Bettelbriefe». Die Impulse fürs Fundraising kamen aus dem angelsächsischen Raum: In den USA und England waren Fundraiser schon lange geachtete und wichtige Mitglieder in Organisationen. Ich selbst wurde sowohl im schweizerischen als auch im amerikanischen Verband Mitglied, reiste regelmässig zu den Kongressen und versuchte, die Erfahrungen auf Schweizer Niveau anzupassen.

Du bist seit jeher Mitglied beim Verband. Was sind deine persönlichen Highlights in der 25-jährigen Geschichte?
Meine Highlights waren eindeutig die Gründung des Verbandes, der erste Kongress und das rasche Wachstum, das zeigte, wie gross das Bedürfnis nach Fundraising-Wissen und auch für diese Art von Verband war.

Wie siehst du die Entwicklung des Verbands seit 1994?
Nie hätten wir Gründungsmitglieder, die mittlerweile ja auch in die Jahre gekommen sind, gedacht, dass es diese Entwicklung gibt und dass Fundraising so wichtig wird. Das ist toll! Es ist schön zu sehen, dass der Verband heute über 800 Mitglieder zählt – gerade wenn ich an die vielleicht 20 zurückdenke, die wir am Anfang waren.

Wie beurteilst du die Entwicklung im Fundraising in der Schweiz in diesen 25 Jahren? Wie sehr haben sich die Aufgaben und das Berufsbild verändert? Und wie siehst du die Entwicklungen in Zukunft?
Die Fundraising-Welt hat sich in diesen 25 Jahren völlig verändert, war sie damals doch praktisch nicht existierend.

Ich meine, dass

  1. es ohne die Entwicklung des Fundraisings, einige grosse Hilfs-Organisationen gar nicht gäbe.
  2. es ohne das Direct Mail (welches in seiner modernen Form aus den Staaten importiert wurde), die Schweizer Hilfswerke nie so gewachsen wären und durch das Fundraising erst in der Lage waren, ihre wichtigen Aufgaben wahrzunehmen.
  3. Fundraising-Wissen durch den Fundraising Verband in der Schweiz zugänglich und erschwinglich wurde – dank Veranstaltungen auf nationaler und regionaler Stufe.
  4. Fundraising zu einem wichtigen Wirtschafts-Faktor geworden ist.

Es ist so toll und begeisternd, dass bei den Fundraisern immer ein «special spirit» herrscht. FundraiserInnen sind Idealisten, die aber auch TechnokratInnen sein müssen – durch Swissfundraising wird dieser «spirit» gefördert und bewahrt.

Warum braucht es den Verband auch heute noch?
Swissfundraising braucht es dringender denn je, weil die Konkurrenz immer härter wird, aber zum Teil auch unethisch vorgegangen wird. Der Verband muss hier eine wichtige Überwachungsfunktion wahrnehmen, um sicherzustellen, dass Organisationen das Geld für die eigentliche Hilfsarbeit ausgeben. Ich glaube, dass es immer noch schwierig ist, die SpenderInnen zu «rationellem» Geben zu bringen: Sie sind (noch) nicht bereit, zu spenden, wie sie Rechnungen zahlen (einfach und kostengünstig) und Spenden ist immer noch ein spezieller Akt. Darum ist es aus meiner Sicht essentiell, dass der Verband den «spirit of giving» in der Schweiz am Leben hält, dass er künftige Generationen mit einbezieht und dass er effiziente Öffentlichkeitsarbeit macht, die

  1. die Wichtigkeit dieses Berufszweiges unterstreicht
  2. Junge mitnimmt
  3. Spenden «in» macht.

Nirgends auf der Welt wird so viel gespendet wie in der Schweiz. Hoffentlich bleibt es so. Das ist für mich die wichtigste Aufgabe von Swissfundraising – und darum bin ich so froh, dass der Verband wächst und Wissen sowie Idealismus vermittelt.

Zum Schluss: Warum lohnt es sich aus deiner Sicht, Mitglied bei Swissfundraising zu sein/werden?
Weil wir gemeinsam besser vorankommen und so der Fundraising-Sektor dabei hilft «to make Switzerland a better place».

25 Jahre Swissfundraising (IV): Gründungsmitglieder im Interview – Barbara Crole