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Andreas Cueni tritt zurück

17.12.2019

Nach gut fünf Jahren als Projektleiter bei Swissfundraising – in einem 20-Prozent-Pensum – tritt Andreas Cueni zurück und widmet sich wieder vollzeitlich seiner Tätigkeit als Fundraising-Berater.

Andreas Cueni hat bei der Betreuung von Projekten wie dem DM Panel, bei der Gründung neuer Fachgruppen und als Auskunftsperson und Autor für fachliche Fragen viel dazu beigetragen, dass Swissfundraising seine Dienstleistungen stetig ausbauen konnte. Wir danken Andreas ganz herzlich für sein grosses Engagement und freuen uns, dass er sich weiter als ehrenamtlicher Erfa-Leiter in Basel engagiert. Zu seinem Abschied und zum Ende des Jubiläumsjahres von Swissfundraising haben wir uns mit ihm unterhalten.

– Interview: Roger Tinner

Swissfundraising hat dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Du warst zwar nicht Gründungsmitglied, aber früh dabei und auch bald Mitglied im Vorstand. Warum hast du dich damals für die Schweizerische Gesellschaft der Fundraising-Fachleute engagiert?


1995 bin ich zum professionellen Fundraising und gleich auch zum Verband gekommen. Ich habe die Aufnahme in den Verband beantragt und die Mitgliedernummer 50 erhalten, die noch immer auf den Jahresrechnungen draufsteht. 1999 wurde ich in den Vorstand gewählt; damals arbeitete ich für eine grössere Institution für Behinderte, für die ich auch Öffentlichkeitsarbeit und Dienstleistungs-Marketing machte sowie Events organisierte. Ich blieb bis 2005 in diesem Vorstand. Ehrenamtliche Vorstands- und Stiftungsrats-Mandate in lokalen und nationalen NPO übe ich seit 1985 durchgehend aus; Freiwilligenarbeit gehört für mich zu einer engagierten Mitarbeit im Nonprofit-Sektor dazu.

Du bist also schon sehr lange Mitglied beim Verband. Was sind deine persönlichen Highlights in der 25-jährigen Geschichte?

Im Sommer 1995 besuchte ich den ersten Erfa-Treff in Basel. Wir waren etwa ein halbes Dutzend Teilnehmende, zum grösseren Teil Herren. Sie überzeugten mich, bereits zum nächsten Erfa ein Referat über eines meiner Projekte vorzubereiten – es ging um eine grössere Kampagne in der ganzen Region Basel. Ich erinnere mich, dass die erfahrenen Leute mir beibrachten, dass die Erwartungen in deren Ergebnis, die meine Institution hegte, wohl etwas hoch angesetzt waren, und was zu optimieren wäre. Von Anfang an gab es also viel zu lernen. Ich übernahm bald die ehrenamtliche Leitung der Ertra-Treffs in Basel und habe die zusammen mit meinem Kollegen Lucas Gerig bis heute.

Wie siehst du die Entwicklung des Verbands seit 1994?

Es ist erfreulich, dass die Zahlen der Mitglieder und Angebote an Dienstleistungen immer wieder wachsen konnten und das sich auch weiterhin Potentiale auftun. Nicht alle Sprachen sind ja gleich stark vertreten, auch nicht alle Expat-Gemeinschaften im Lande, und noch immer sind vor allem Mitarbeitende von Hilfswerken im Verband, weniger die aus Umwelt, Bildungs- oder Kultur-Institutionen. Erfreulich ist sicher die personelle Konstanz in Gremien und Geschäftsstelle, die dem Verband strategisches Arbeiten erlaubt und finanzielle Sicherheit gibt.

Wie beurteilst du die Entwicklung im Fundraising in der Schweiz in diesen 25 Jahren? Wie sehr haben sich die Aufgaben und das Berufsbild verändert? Und wie siehst du die Entwicklungen in Zukunft?

Wir haben unterdessen Spezialisierungen innerhalb des Berufes erlebt und eine Vermehrung und Verlängerung der Weiterbildungen. Wichtig für die Wirkung und die kontinuierliche Verbesserung bleibt aber die praktische Berufsausübung und deren kritische Evaluation und Reflexion. Dabei hilft der offene Austausch mit Kollegen, auch unter vier Augen und in ganz kleinen Gruppen wesentlich. Leider lesen wenige Menschen heute noch Bücher und Fachartikel oder schreiben sogar solche; mit den Lehren aus systematischen Problembeschreibungen düften manchmal die Gespräche noch etwas intensiver und kontroverser sein. Powerpoint ist oft kein adäquater Ersatz.

Du hast nun mehr als fünf Jahre als Teilzeit-Mitarbeiter verschiedene Fachgruppen und das DM-Panel betreut sowie oft fachliche Fragen von Mitgliedern beantwortet. Wie haben sich die Bedürfnisse der Mitglieder aus deiner Sicht verändert?

Ich würde meinen, viele Herausforderungen an die Mitglieder seien geblieben: die Einbindung des Fundraisings in Organisationen, die Zusammenarbeit mit allen Arbeitskolleginnen und der Leitung sowie das Gewinnen von deren Wertschätzung, das persönliche Annehmen des Drucks auf Leistungen und Ergebnisse. Es gelingt bei allen verfügbaren Austausch-Plattformen nach wie vor nur einen Teil der Menschen, die zum Fundraising kommen, dafür zu begeistern und sich langfristig im Beruf entwickeln zu lassen. Viele gehen dahin zurück, wo sie als Quereinsteiger herkamen.

Wo muss sich der Verband auch in Zukunft noch verbessern?

Wir wollen alle im Verband haben, NPO-Mitarbeitende und Dienstleistungs-Anbieter. Das heisst, wir sind nett und bewerten nicht, sprechen unangenehme Erkenntnisse nicht deutlich aus und schweigen meist über negative Erfahrungen. Das erleichtert aber gerade frischen Kräften im Beruf die Orientierung nicht. Wir diskutieren ausserdem zu wenig unsere ideellen Werte und die Berufsethik, obwohl uns das im Nonprofit-Sektor liegen müsste.

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