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Mission-based Fundraising. Höhere Spenden durch langfristige Beziehungen

Mission-based Fundraising. Höhere Spenden durch langfristige Beziehungen

  • Autor: Kai Fischer
  • Herausgeber: Mission Based Verlag
  • ISBN: 978-3-9817457-2-6
  • Seiten: 241
  • Erscheinungsjahr: 2018

«Nachhaltigkeit» ist ein Schlagwort, das in der NPO-Welt nicht nur bei Umweltorganisationen viel Sympathie geniesst. Und (fast) alle FundraiserInnen streben – getreu der (inzwischen auch umstrittenen) SpenderInnen-Pyramide – danach, ihre SpenderInnen langfristig an die Organisation zu binden und die «Donor Journey» möglichst vom Teenager-Alter bis über den Tod hinaus im Blick zu behalten. Im Alltag allerdings hangeln sich dieselben FundraiserInnen oft von Aktion zu Aktion, von Kampagne zu Kampagne, von Projekt zu Projekt und von Spendenbrief zu Spendenbrief.

Kai Fischer hat sich bereits in seiner Dissertation mit der Frage «Warum Menschen spenden» befasst. Er bietet heute «Mission-Based Consulting» an (www.mission-based.de) und präsentiert im vorliegenden Buch seinen genuinen Ansatz zur Arbeit in und mit Organisationen. Er weiss aus über 20-jähriger Erfahrung im Fundraising, dass «Nachhaltigkeit» auch für die eigene Arbeit ein wichtiges Kriterium ist: Hier geht es um langfristige, nachhaltige Beziehungen zwischen Organisation und Fördernden. Er plädiert einerseits dafür, dass die Organisationen wissen (und immer wieder hinterfragen), wofür sie stehen, und betont andererseits, dass die Fördernden im Mittelpunkt des Fundraisings stehen müssen.

Fischer spricht von einem «Dreiklang» oder auch «Erfolgsdreieck» aus «Positionierung und Marke», «Strategie» und «Beziehungsaufbau und -pflege» als Grundlage, langfristig stabile (und höhere) Spenden einzuwerben. Dazu braucht es nicht in erster Linie Tools und Kanäle, die im Buch denn auch zwar angesprochen, aber nicht vertieft werden. Kai Fischer geht es um eine grundlegend andere, übergreifende Perspektive. Da ist dann davon die Rede, dass es in der Beziehung zwischen Organisation und FörderInnen nicht primär um Geld geht, sondern um gemeinsame Werte und Ziele. Gemäss Fischer sind es nicht die Projekte und Programme der NPO, die zur Förderung führen, sondern immer die Wirkungen.

«Zu oft übersehen Nonprofit-Organisationen, dass Beziehungen erst nach der Spende richtig beginnen», kritisiert er und fordert: «Fördernde müssen in der Kommunikation integriert und zu einem Teil des ‘Wir’ gemacht werden.» Denn: «Durch die Veränderung der Rolle – von Finanzierer/innen zu Verbündeten und Ermöglicher/innen – wird auf der sozialen Ebene die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Förder/innen langfristig gebunden werden können.»

Und Fischer geht noch weiter, indem er argumentiert, das Fundraising (und mit ihm die Organisation) müsse sich von der Defizit-Orientierung («Wir haben zu wenig Geld, um unsere Aufgaben zu erfüllen») verabschieden. Es brauche ein anderes Verständnis von «Fundraising»: Es gehe darum, mit den Mitteln gemeinsame Ziele zu erreichen – also die «Mission» der NPO in die Tat umzusetzen.

Eine Umsetzung von Kai Fischers «Mission-based Fundraising» braucht definitiv mehr als die     Überzeugung des Fundraisingteams: Wenn es um die Positionierung und die Mission als Grundlage erfolgreicher Mittelbeschaffung und Umsetzung der Ziele geht, dann ist die ganze Organisation gefordert. Das Buch ist daher als Pflicht-Lektüre für Vorstände und Geschäftsleitungen zu empfehlen, die damit wieder einmal, aber auf einsichtige Art und Weise erfahren, was «Organisational Readiness» meint.

Wer nach Kai Fischers Systematik vorgeht (das Buch gibt eine Art Anleitung dazu), der hat viel Arbeit vor sich, wird aber für die eigene Organisation auf jeden Fall viel gewinnen: eine klare(re) Positionierung und Strategie und damit die Grundlage für – wir wünschen es allen – langfristig stabile Förderung und Spenden.

Roger Tinner