HomeNewsCOVID-19 und das Fundraising in der Schweiz (I): Ein Drittel befürchtet «viel weniger Spenden» in diesem Jahr

COVID-19 und das Fundraising in der Schweiz (I): Ein Drittel befürchtet «viel weniger Spenden» in diesem Jahr

25.03.2020

Die FundraiserInnen in der Schweiz sind mehrheitlich sehr besorgt wegen den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Spendentätigkeit: Über 80 Prozent rechnen mit weniger Spenden im Jahr 2020, fast ein Drittel sogar mit «viel weniger Spenden» als in den Vorjahren. Die Massnahmen der NPO gegen die erwarteten Spenden-Einbussen unterscheiden sich jedoch ziemlich stark. Das sind erste Ergebnisse einer Umfrage von Swissfundraising, die schon mehr als 100 Personen beantwortet haben.

Swissfundraising, die Berufsorganisation der FundraiserInnen in der Schweiz, hat vor einer Woche eine Umfrage bei ihren Mitgliedern gestartet, in der vor dem Hintergrund der Corona-Krise Fragen zur persönlichen Situation, zu jener der Organisation und zum Fundraising gestellt werden (die Umfrage ist weiterhin offen). Swissfundraising wertet die Resultate in drei News-Beiträgen aus – hier zunächst den Fragebereich «Fundraising». Es folgen in den nächsten Tagen Beiträge zur persönlichen Situation der FundraiserInnen und zu jener der Organisationen.

Über 80 Prozent befürchten Spenden-Rückgang

Rechnest du mit Spenden-Einbussen für das laufende Jahr?

29,6 Prozent der Antwortenden rechnen mit «viel weniger Spenden», 51 Prozent mit weniger Spenden. 16,4 Prozent sehen keine ummittelbare Auswirkung, während 2 Prozent mehr und 1 Prozent «viel mehr Spenden» erwarten. Fragt man nach den Bereichen, die betroffen sind vom Rückgang, so nennen wiederum 80 Prozent die Privatspenden, fast 70 Prozent die Firmenspenden, 45 Prozent den Bereich Grossspenden und 36 Prozent sehen den Rückgang bei Stiftungsgeldern.

Einige streichen und viele verschieben Spendenaktionen

Ähnlich wie im Eventbereich und in der Wirtschaft generell werden auch im Fundraising derzeit einige Aktionen gestrichen oder verschoben: 26,7 Prozent bestätigen, dass sie Spendenaktionen ganz ausfallen lassen, 56,8 Prozent haben sie verschoben. Das bedeutet jedoch auch, dass immerhin 43,2 Prozent ihre Aktionen wie geplant durchführen. Dazu ist allerdings festzuhalten, dass März/April zumindest nicht die «Hochsaison» für Spendenaufrufe darstellen

Habt ihr aktuell geplante Spendeneinnahmen gestrichen?

Gut ein Viertel, nämlich 27,7 Prozent, bestätigen, dass sie nun Spendenaktionen starten, die Bezug auf COVID-19 nehmen: Genannt werden hier der Corona-Nothilfe-Fonds, Gesuche an Stiftungen mit Bezug auf die schwierige Situation, Mailing/Newsletter mit dem Hinweis auf Einbussen, Aktionen via Social Media und Peer2Peer-Fundraising. Eine Organisation hat einen Brief an ihre GönnerInnen geschickt, der die SpenderInnenbindung unterstützt: «Wir denken an Sie und bleiben Sie gesund» steht darin. Im April folgt dann der Versand des Gönnermagazins mit Einzahlungsschein.

Macht ihr jetzt Spendenaktionen, die auf COVID-19 Bezug nehmen?

Massnahmen gegen die Einbussen

Die Antwortenden haben ganz unterschiedliche Strategien im Kampf gegen die Spenden-Einbussen. Während die einen versuchen, Fix- und Personalkosten zu reduzieren oder Kurzarbeit anzumelden, setzen andere weiterhin auf die SpenderInnen: Ihre ganz unterschiedlichen Massnahmen sind «Appell an die Solidarität der langjährigen SpenderInnen», «grössere Ziele setzen und neue Lösungen kreieren», «Kommunikation mit Bezug zu Corona, wo immer möglich, oder Aufrufe mit hoher Dringlichkeit und Wichtigkeit», «mehr Anfragen bei Stiftungen», «Mobilisierung der bestehenden SpenderInnen», «mehr Beziehungsmarketing», «bei längerer Dauer Wechsel von Face2Face und Door2Door zu klassischem Direktmarketing» und «Verlagerung ins Digitale».

Instrumente, die «noch funktionieren»

Immerhin 60 Prozent der Antwortenden sagen, dass es derzeit noch Instrumente gibt, die Spenden generieren. Als Beispiele genannt werden Stiftungsfundraising, Telefonfundraising («Alle haben Zeit und Interesse zu telefonieren», heisst es in einem Kommentar), klassische Spenden-Mailings, Online- und Projektspenden, E-Mail-Spendenaufrufe, Crowdfunding, private Grossspender, Patenschaften oder andere regelmässige Zuwendungen sowie Gelder der öffentlichen Hand.

Gibt es Instrumente, die im Moment noch gut funktionieren und Spenden generieren?