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Die Pandemie hat das Gemeinwohldenken gestärkt

18.11.2021

Befragungen haben gezeigt, dass die Coronakrise vielen Menschen die Bedeutung von Gemeinwohl, nicht nur im Sinne eines gut funktionierenden öffentlichen Gesundheitssystems, verdeutlicht hat. Prof. Dr. Timo Meynhardt vom Center for Leadership and Values in Society (CLVS-HSG) der Universität St.Gallen erläutert in einem Videobeitrag, ob die Pandemie das ohnehin schwächelnde neoliberale Paradigma in westlichen Gesellschaften weiter untergraben wird.

Im Rahmen der Studie wurden der Bevölkerung Gemeinwohlfragen gestellt. Anhand der Ergebnisse konnten folgende Schlüsse gezogen werden: Gemeinwohlthemen werden heute wichtiger genommen, es wird bewusster nach Gemeinwohl gefragt und es könne auch besser eingeschätzt werden, was Gemeinwohl für die Einzelne und den Einzelnen bedeutet. Lange wurde in westlichen Gesellschaften die individuelle Freiheit als höchstes Gut angesehen. Die Pandemie habe aber vielen Menschen die Augen geöffnet, dass Gemeinwohl Voraussetzung für diese Freiheit ist. Infrastrukturen wie beispielsweise des Gesundheits- und Bildungssektors seien zentral für eine moderne Lebensweise, aber auch individuelle Selbstverwirklichung – «ohne Gemeinwohl, keine Freiheit».

Gemeinwohlfragen nehmen auch Einzug in Politik, Wissenschaft und in der Führung von Organisationen. Für einen verantwortungsvollen Umgang mit Profiten seien entweder Selbstverpflichtung, Selbstkontrolle über die eigenen Aktionen oder jedoch Regulatoren notwendig. Der Paradigmenwechsel in Richtung «Society» könne auch am Fundament der heutigen Wirtschaftsordnung kratzen. Das Bewusstsein für Gewinner und Verlierer in Krisenzeiten sei gestiegen, was eine neue Eigentums- und Reichtumsverteilung fordere, erklärt der HSG-Professor.

(Quelle: Universität St.Gallen)