HomeNewsEin Muffin mit Sahnehäubchen – SwissFundraisingDay mit Teilnahmerekord

Ein Muffin mit Sahnehäubchen – SwissFundraisingDay mit Teilnahmerekord

25.06.2019

Über 300 Gäste, davon mehr als 50 «New­bies», bedeuten Teilnahmerekord am Swiss­FundraisingDay. «Jubiläumswürdig» war ne­ben den Inhalten und konzeptionellen Neue­rungen auch die Stimmung im Kursaal in Bern.

Penelope Burk überzeugte als Key Note- und Workshop-Referentin mit ihren Erkenntnissen zu «Donor Centricity».

– Roger Tinner

«Best SwissFundraisingDay ever», meinten Gäste gegen Ende des Tages. Und tatsächlich passte an diesem Tag im Juni vieles sehr gut zusammen: Da gab es zum Auftakt des Tages erstmals ein Treffen für «Newbies» und alte HäsInnen (Mentoren), das rege genützt wurde und die Integration der neuen Verbandsmitglieder erleichterte. Key Note-Referentin Penelope Burk, Expertin für Donor Centricity aus Nordamerika, gewann das Plenum mit Humor, Lockerheit und einem immensen Wissen für sich. So gelang es ihr, die FundraiserInnen davon zu überzeugen, dass der Fokus in der Praxis ganz auf die SpenderInnen und deren Bedürfnisse zu lenken sei.

Die Welt des Fundraising – von Donor Journeys zu Corporate Philanthropy
Nicht zuletzt auf Wunsch der Teilnehmenden wurde die «Workshop»-Runde zweimal, vor und nach der Mittagspause, durchgeführt. Hier diskutierten die Referenten und Referentinnen mit den Teilnehmenden aktuelle Themen wie «Corporate Philanthropy», «Marketing Automation», «Crowdfunding» oder «Legacy Donor Journey». Auch Penelope Burk bot in diesem Block Vertiefung an, und VertreterInnen des #GivingTuesday warben um das Engagement der Schweizer NPO bei dieser weltweiten Bewegung.

Ganz neu verlief der Teil, in dem die Swissfundraising Awards vergeben wurden: Die von einer Fachjury ausgezeichnete Gewinnerin der Kategorie «erfolgreichste Aktion» stellte ihren Best Case vor Publikum: Es war Biovision, die mit dem «Jubiläums-Symposium 2018» brillierte, und das Thema passte perfekt zum Tagungsthema «Donor Centricity».

Im Anschluss kämpften fünf nominierte Organisationen in 5-Minuten-Pitches um die «Krone» in der Kategorie «kreativste Aktion», in der das Publikum zu entscheiden hatte. Hier setzte sich nach spannenden Präsentation der Zürcher Tierschutz, vertreten durch Rommy Los, mit der laut Eigenaussage «verrückten und einmaligen» Aktion «World’s Craziest Xmas Cat Tree» durch.

Rundum Ruhm und Ehre
Dann ging es Schlag auf Schlag: Das just vor dem SwissFundraisingDay beigetretene 800. Mitglied, Johanna Vögeli von Fairmed, wurde geehrt. Dann blickte Moderatorin Felizitas Dunekamp mit den drei bisherigen PräsidentInnen zurück auf 25 Jahre Swissfundraising: Gerhard Grossglauser (im Amt von 1994 bis 2007), Odilo Noti (2007 bis 2018) und Sibylle Spengler (seit 2018) beschrieben die jeweiligen Herausforderungen in der Präsidiumszeit und erzählten, was sie bewegte, als sie selber 25-jährig waren.

Vor dem Schlussreferat zum Thema «Warum spenden glücklich macht und was FundraiserInnen daraus lernen können» (Philippe Tobler) und der feierlichen Übergabe der «Franca»-Trophäen für die Award-GewinnerInnen gab es Geburtstags-Erdbeertorte und Jubiläums-Cupcakes für alle.

Beim traditionellen Apéro riche am Ende des Tages sah man strahlende Gesichter, und Referentinnen und Referenten bekamen viele Komplimente. Die programmlichen Impulse der vorbereitenden Arbeitsgruppe fanden Anklang, der Start ins nächste Vierteljahrhundert ist Swissfundraising geglückt.


Der SpenderIn ein Königreich

Swissfundraising-Präsidentin Sibylle Spengler konstatierte in ihrer Eröffnungsrede eine «Katerstimmung» im NPO-Bereich. Meldungen zu Defiziten, Entlassungen und Mitgliederschwund häuften sich. Sie stellte die Frage, wie viele NPO sich im vergangenen Jahr tiefgreifend mit den Entwicklungen auf dem Markt auseinandergesetzt haben. Sie selber nämlich beobachte drei Arten von Reaktionen darauf bei den Fundraisingfachleuten: «Da können wir ja nichts dafür!», «Die anderen sind schuld daran!» und «Weiter wie gehabt, einfach noch besser!».

«Wir FundraiserInnen denken und handeln immer noch in den Kategorien von Kanälen und Instrumenten, von Spendenfranken und Return on Investment. Wir feilen an Mailings, suchen nach neuen Stiftungen, jagen die Major Donors, drücken die Preise der Agenturen und hoffen: Wenn wir uns noch etwas mehr anstrengen – sprich: uns noch mehr unter Druck setzen – wird es sicherlich wieder aufwärts gehen.» Aber, so Sibylle Spengler: «Wir stecken in einer multiplen Krise, die nicht mit einem Leistungs- marathon überwunden werden kann.»

Die Präsidentin forderte ihre Fundraising-Kollegen und Kolleginnen auf, gemeinsam neue Wege zu gehen, und formulierte vier persönliche Appelle dafür: 1.) «Seien wir realistisch!» (als Fachpersonen auftreten und klar und deutlich sagen, was künftig im Fundraising noch möglich sein wird und vor allem was nicht), 2.) «Bleiben wir trotzdem idealistisch!» – In der Organisation als Ganzes und in einem dauernden Prozess Sinn und Zweck, Aufgaben und Narrative wieder neu erkämpfen, was wieder neue Wege im Fundraising eröffnet, 3.) «Zurück zur Bescheidenheit!» – Die NPO können lediglich einen Beitrag leisten, um die Welt zu retten – nicht mehr und nicht weniger, und 4.) «der SpenderIn ein Königreich» – Die SpenderIn wieder ins Zentrum stellen, und nicht den ROI, denn Donor-Centricity ist das, was zukünftig im Fundraising zählt.

Referate sind zu finden unter www.swissfundraisingday.ch

Ein Muffin mit Sahnehäubchen – SwissFundraisingDay mit Teilnahmerekord