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«Fundraising ist eine Lebenshaltung»

04.02.2020

Der Vorstand hat die Strategie für Swissfundraising überprüft und wird in den kommenden Jahren auch neue Schwerpunkte setzen. Der neue Claim von Swissfundraising – «Wir leben Fundraising» – fasst Vision und Mission der Berufsorganisation zusammen. Ein Gespräch zur neuen Strategie und deren Zielen mit Präsidentin Sibylle Spengler.

– Interview: Roger Tinner

Der Vorstand von Swissfundraising hat 2019 eine neue Strategie für die kommenden 5 Jahre erarbeitet. Warum?
Der einfache Grund dafür ist, dass per 2020 eine neue Strategieperiode beginnt. Terminlich passte dies jedoch sehr gut: 2018 hat Odilo Noti das Präsidium an mich übergeben, und es gab auch sonst personelle Wechsel im Vorstand. Die Erarbeitung der Strategie im vergangenen Jahr gab uns die Möglichkeit, uns als Gremium auseinanderzusetzen, zusammenzuwachsen und Ideen von neuen Mitgliedern aufzunehmen.

Wie lief der Prozess ab? Welche Themen waren wichtig?
Wir haben zweimal eine Retraite gemacht, wo wir uns gezielt auf die Erarbeitung der Strategie konzentrieren konnten. Wichtig war dabei die Frage, wie wir den Verband innovativ weiterentwickeln können, um unseren Mitgliedern auch in Zukunft einen möglichst grossen Mehrwert zu bieten. Vor den Massnahmen haben wir jedoch in intensiven Diskussionen eine Vision und Mission für Swissfundraising entwickelt und verabschiedet, die Grundlage für unsere Arbeit sind (vgl. Kasten).


Vision und Mission von Swissfundraising

Im Rahmen der Strategiearbeit für die Jahre 2020 bis 2024 hat der Vorstand auch eine Vision und Mission für Swissfundraising verabschiedet:

Vision

  • Wir leben Fundraising – mit Freude und im Dialog.
  • Wir schaffen die Grundlagen und vermitteln die Kompetenzen, damit FundraiserInnen und Organisationen mehr Wirkung entfalten können.

Mission

  • Swissfundraising handelt dynamisch und zukunftsweisend. Sie antwortet mit ihren Dienstleistungen auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder.
  • Swissfundraising orientiert sich an den Entwicklungen in Gesellschaft, Technologie und Fundraising. Sie versteht sich als Vordenkerin im Bereich der Mittelbeschaffung.
  • Swissfundraising bietet den FundraiserInnen in der Schweiz Zugehörigkeit und vertritt deren Interessen. Sie steht für fundierte Weiterbildung und Förderung des Berufsbildes.

Vor welchen strategischen Herausforderungen steht Swissfundraising in den kommenden Jahren konkret?
Als Verband stehen wir vor verschiedenen Herausforderungen. Wir möchten innerhalb der vielfältigen Bildungsangebote auf dem Markt wettbewerbsfähig bleiben. Dann geht es darum, neue Entwicklungen und Trends aufzugreifen und deren Bedeutung für das Fundraising zu durchleuchten. Und schliesslich gilt es, den Ansprüchen unserer bestehenden und künftigen Mitglieder gerecht zu werden.

In welchen Bereichen will sich Swissfundraising weiterentwickeln?
Es gibt über die gesamte neue Strategie ein wegweisendes Element, das auch in den folgenden Zielen zum Ausdruck kommt: Wir wollen das Fundraising sowie den Berufsstand stärken – sowohl nach innen in den Organisationen wie nach aussen in Richtung Öffentlichkeit. Wir glauben, dass in der heutigen Zeit der Umbrüche die NPO insgesamt genauso wie das Fundraising im Speziellen eine starke Lobby brauchen, um die wichtige Rolle von zivilgesellschaftlichen Akteuren und deren Finanzierung durch Spenden zu bekräftigen. Swissfundraising kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.

An welchen Zielen orientiert sich die neue Strategie?
Wir haben uns vier Hauptziele gesetzt, die natürlich alle mit Unterzielen und konkreten Massnahmen ergänzt sind: Wir wollen erstens Zugehörigkeit unter allen FundraiserInnen in der Schweiz schaffen und stärken. Wir wollen zweitens den Berufsstand in Organisationen und Gesellschaft stärken. Drittens wollen wir die Mitglieder durch Vermittlung von Markt- und Fundraising-Wissen fachlich stärken. Und wir wollen viertens neue Anspruchsgruppen gewinnen und integrieren, um das Fundraising weiterzuentwickeln und in den Organisationen über verschiedene Branchen hinweg zu stärken.

Und wie schnell werden nun erste Massnahmen umgesetzt?
Wir haben erste Massnahmen bereits im vierten Quartal 2019 begonnen. Wir sind also schon voll in der Umsetzung. Detailliert werden wir die Massnahmen für die nun begonnene Strategie-Periode an der Generalversammlung im April vorstellen. Wie bereits bisher verfolgt der Vorstand die Umsetzung durch die Geschäftsstelle in einer Art «Strategie-Cockpit».

Zusammen mit der neuen Strategie gibt es auch einen Claim zu Swissfundraising: «Wir leben Fundraising». Was ist damit gemeint?
Der Claim steht für unsere in der Strategie-Arbeit formulierte Vision. Ähnlich wie bei der Freiwilligenarbeit ist eine Spende ein zivilgesellschaftliches Engagement, das man jedoch in Form eines finanziellen Beitrages an eine Organisation delegiert. Wer als FundraiserIn nach Spenden fragt, benötigt ein Bewusstsein und eine innere Überzeugung, dass jeder noch so kleine Beitrag die Welt ein bisschen besser machen kann. Fundraising ist deshalb nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Lebenshaltung.

Wo setzt Swissfundraising in Zukunft verstärkt Ressourcen ein? Wo weniger?
Die grundsätzliche Schwerpunkt-Setzung in Weiterbildung und Community Building wird wie bisher weitergeführt. Verstärken möchten wir die fachlichen Grundlagen – etwa über Studien und Tools für die FundraiserInnen –, die Integration neuer Felder wie Kultur- oder Bildungsfundraising und den Auftritt in der Öffentlichkeit.

Welche Rolle spielt die neue Strategie für die Mitglieder?
Die Strategie wird keine unmittelbare Auswirkung auf die Mitglieder haben, weil die erwähnten Ziele nur punktuell kurzfristig umgesetzt werden können. Wir visieren eher eine mittel- bis langfristige Entwicklung an. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die neue Strategie in unseren vielfältigen Aktivitäten rasch spür- und erlebbar sein wird.

Bildlegende: Sibylle Spengler ist seit 2018 Präsidentin von Swissfundraising. (© Jorma Müller)

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