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GDI-Studie: die neuen Freiwilligen

29.05.2018

Welche Aufgaben werden in Zukunft von der Zivilgesellschaft erfüllt? Auf dieser Frage lag der Hauptfokus der GDI-Studie «Die neuen Freiwilligen: Die Zukunft zivilgesellschaftlicher Partizipation». Gemäss dieser Studie sind die «neuen» Freiwilligen «partizipativer und potenzialorientierter».

In welche Richtung hin sich die Rolle von Freiwilligenarbeit (weiter)entwickelt, ist aus Sicht der Autoren gerade im Individualisierungs- und Digitalisierungszeitalter von grosser Bedeutung. Wörtlich schreiben sie: «Derzeit wandeln sich die Formen zivilgesellschaftlicher Partizipation. Bisher organisierte sich die Zivilgesellschaft stark über formale Institutionen wie Vereine und Organisationen. Heute nimmt die Bereitschaft ab, sich in solch starren Strukturen zu verpflichten. Denn unser Leben wird immer flexibler. Einerseits geografisch: Wir werden mobiler, der Bezug zum Lokalen schwindet. Andererseits biografisch: In unserer Multioptionengesellschaft haben wir immer mehr Möglichkeiten, unser Leben frei zu gestalten. Beides lässt uns vor längerfristigen Verbindlichkeiten zurückschrecken. Und beide Trends werden sich in der Welt von morgen noch verschärfen.»

Es sei zu erwarten, dass in Zukunft mehr Aufgaben vom Markt übernommen werden. Viele Aufgaben, die heute Freiwillige schultern, würden künftig von Robotern erledigt. Das sei aber kein Problem, «wenn die Zivilgesellschaft nicht als Ansammlung von Gratis-Arbeitskräften, also quasi auch Robotern, angesehen wird: «Umdenken ist nötig.»

Partizipation statt Freiwilligenarbeit

Statt von Freiwilligenarbeit sollten wir gemäss der Studie von Partizipation sprechen. Bei Partizipation unterscheide man nicht zwischen Hilfeleistenden und Hilfeempfängern. Es gebe nur Teilhabende, die gemeinsam Probleme angehen oder Freiräume erkunden, die gemeinsam über Ziele diskutieren statt nur vorgegebene Aufgaben auszuführen: «Teilhabe lässt sich nicht einfach an den Markt oder Roboter delegieren. Das Erkunden von Freiräumen folgt in diesem Verständnis nicht einer Konkurrenzlogik. Es geht um die Erkundung von Potenzialen und nicht um die Behebung von Missständen. Einer solchen Potenzialorientierung liegt eher der Gedanke «da könnten wir doch etwas tun» zugrunde als «da muss doch jemand etwas tun», wie es bei Missständen oft der Fall ist.»

Die neuen Freiwilligen sind gemäss GDI partizipativer und potenzialorientierter. Sie wollen mitreden, statt nur auszuführen: «Die Unterscheidung zwischen Helfenden und Hilfsbedürftigen wird aufgehoben. Damit Partizipation gelingt, müssen die etablierten Akteure Kontrolle abgeben. Denn das Betreten von Freiräumen ist immer mit Risiken verbunden.»

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