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Hoher Zuwachs und neue Trends bei Online-Spenden

12.03.2021

Die Online-Spenden haben im vergangenen Jahr in der Schweiz deutlich zugenommen – das zeigen die Zahlen von RaiseNow, dem wohl bekanntesten Dienstleister in diesem Bereich. Die Anzahl der Einmalspenden über diesen Kanal stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent, beim Spendenvolumen gab es eine Steigerung um 66 Prozent auf nun 40 Millionen Franken. Das ist bemerkenswert, auch wenn die digitalen Spenden auch 2020 in der Schweiz klar im einstelligen Prozentbereich des Gesamtspendenaufkommens bleiben werden.

Bei den Dauerspenden ist der Zuwachs mit 44 Prozent bei den Transaktionen und 39 Prozent bei den Spendeneinkünften deutlich geringer und mit ca. 2 Millionen Franken jährlich nach wie vor auf eher bescheidenem Niveau. RaiseNow in der Schweiz und Altruja in Deutschland sind die bekanntesten Dienstleister im Bereich Online-Spenden, und sie haben vor kurzem Einblick in die Entwicklung bei Transaktionen und Einnahmen der NPO über digitale Kanäle gegeben. Obwohl ihr Marktanteil nicht genau bemessen werden kann, ist davon auszugehen, dass die Entwicklung bei ihren Zahlen auch den Tendenzen im Markt entspricht.

81 Prozent der Spenden sind unter 100 Franken

Die von RaiseNow für die Schweiz präsentierten Daten zeigen, dass die Median-Online-Spende bei 50 Franken liegt (unverändert zu 2019 und praktisch gleich wie in Deutschland): die Hälfte aller Spenden lag also über diesem Wert, die andere darunter. Rund 82 Prozent der Online-Spenden lagen unter 100 Franken. Allerdings waren die 18 Prozent der höheren Spenden verantwortlich für zwei Drittel (65,2 Prozent) der Spendeneinkommen der NPO.

Im Vergleich zu Deutschland beurteilt Eva Hieninger, Partnerin bei getunik, die Schweizerinnen und Schweizer als «wesentlich digital-affiner». Eindeutig auf dem Vormarsch als Zahlungsmittel bei den Spenden (analog zum Businessbereich) ist Twint: Über 257 Prozent beträgt hier der Zuwachs gegenüber 2019. Damals gab es rund 40’000 Transaktionen mit Twint, nun waren es über 120’000. Bei den Kreditkarten wuchs die Zahl der Transaktionen von 8000 auf über 10’000, bei Paypal (auf allerdings tiefem Niveau) lag der Zuwachs bei rund 222 Prozent. Der Blick auf den «Zahlungskanal-Mix» übers ganze Jahr zeigt, dass Kreditkarten für um die 40 Prozent des Spendenaufkommens verantwortlich waren, Twint für um die 20 Prozent – spannend ist dabei ein «Lockdown-Hoch» im Frühjahr 2020, als Twint 40 Prozent der Transaktionen und ca. 30 Prozent der Einnahmen generierte. Twint wurde jedenfalls innert einem einzigen Jahr zur populärsten Überweisungsmethode, speziell für kleine Spenden, wurde aber auch bei grösseren Spenden nach der Kreditkarte am zweithäufigsten eingesetzt.

Spannende «Heatmaps»

Besonders spannend in der Ergebnis-Präsentation von RaiseNow sind auch auch die «Heatmaps», die zeigen, zu welchen Zeiten die meisten Spenden über ihre Kanäle gingen:

Während der Freitagmorgen in beiden Jahren sehr häufig zum Spenden genutzt wurde, gesellte sich 2020 auch der Mittwochmorgen dazu (wogegen in Deutschland 2020 der Montagmorgen spendenmässig am hellsten ist). Wieweit die Spendenbereitschaft über die Monate von den ganz konkreten Covid-Massnahmen beeinflusst wurde, lässt sich aufgrund der Zahlen kaum abschätzen: Der deutliche Anstieg gegen Jahresende und die höheren Ausschläge nach oben zeigen sich (wenn auch in unterschiedlicher Stärke) in beiden Jahren: Der Dezember war einnahmenmässig in beiden Jahren doppelt so hoch wie die zumindest 2020 folgenden April und November. Bei der Analyse zeigt sich, dass höhere Spenden im Dezember deutlich häufiger sind als im Rest des Jahres.

«End of Year»-Fundraising ist in der Schweiz dennoch deutlich weniger wichtig als in angelsächsischen Ländern oder auch in Deutschland: Rund 28 Prozent der jährlichen digitalen Spendeneinnahmen sind 2019 und 2020  zwischen dem 15.November und dem 31.Dezember erfolgt. In Deutschland sind es für den gleichen Zeitraum über 55 Prozent! Und zwischen Weihnachten und Neujahr werden in der Schweiz gut 5 Prozent des jährlichen Spendenaufkommens generiert – jedenfalls über die RaiseNow-Digitalkanäle.

«Digital Fundraising» löst «Online-Fundraising» ab

Auch wenn die absoluten Zahlen stark gestiegen sind, so bleibt der digitale Anteil am Gesamtspendenaufkommen wohl auch 2020 im einstelligen Prozentbereich (gemessen am Gesamtmarkt). Für Eva Hieninger erscheint «die Betrachtung des generierten Spendenvolumens über die Website als alleiniger Indikator für den Erfolg von Online Fundraising zu kurz». Sie sagt: «Viele unserer Kund*innen gewinnen einen signifikanten Anteil ihrer neuen Dauerspender*innen über digitale Kanäle, führen in den Folgejahren aber die Erneuerung via Einzahlungsschein durch. Andere gewinnen online Leads und konvertieren sie dann via Telemarketing oder Mailing zu Spender*innen. Wieder andere nutzen den E-Mail-Kanal, um die Bindung zu erhöhen. In allen Fällen werden die Ziele dank den digitalen Kanälen erreicht, in der angesprochenen Statistik der Online-Spenden ist aber nichts davon zu sehen.»

Eva Hieninger betont im Gespräch mit Swissfundraising auch, dass sie heute lieber von «Digital Fundraising» spricht, weil es «nicht nur um die Online-Ansprache von potenziellen Spender*innen geht, sondern um die Digitalisierung aller Prozesse im Fundraising.» Kein Mensch sei nur online oder nur offline unterwegs. Ob die Spende dann den digitalen oder analogen Kanälen zugeordnet werde, werde so weniger relevant: «Es geht darum, die Spender*innen in den Mittelpunkt zu stellen und die Voraussetzungen in Organisation, Prozessen und Kommunikation dafür zu schaffen.»


Das Whitepaper von getunik zum digitalen Spenden steht unter www.getunik.com/whitepaper-stateofdigitalfundraising/ zum Download bereit.

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