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Kirchliche Institutionen gewinnen

Kirchen können als Gebende für Organisationen eine bedeutende Anspruchsgruppe darstellen. Allerdings steigen die Ansprüche im Umgang mit ihnen wie bei anderen institutionellen Förderern auch; hier ein paar Grundbegriffe des Kirchen-Fundraisings.

– Andreas Cueni

Grundsätzlich haben anerkannte Kirchen drei Wege, Organisationen zu unterstützen; erstens Zuwendungen aus dem ordentlichen Jahresbudget als Vergabungen und zweitens Einzug und Überweisung von Kollekten während eines Gottesdienstes, oder, wie es „auf Katholisch“ heisst, des Opfers.

Ein dritter Weg ist die Übergabe des Erlöses aus Veranstaltungen, z.B. eines Basars, Suppentags, Kirchenfests oder eines Benefizkonzerts. Solche Anlässe verlangen häufig persönliche Präsenz einer Vertretung des begünstigten Hilfswerks, mindestens aber die Unterstützung der Vorbereitung mittels Werbematerialien und Präsentationen.

Für die Vergabe von Budgetmitteln sind die staatskirchlichen Einheiten, die auch Steuern erheben, zuständig, also eine Kirchgemeinde oder deren kantonale Dachorganisation, die Landeskirche. Der Entscheid liegt bei Gremien mit Namen wie Kirchgemeinderat, Kirchenvorstand, Kirchenpflege oder einer speziellen Kommission für Inland- und Auslandhilfe. Die entsprechenden Budgets beschliesst die Synode (Parlament der Kantonalkirche) oder die Versammlung der Gläubigen einer Gemeinde.

Wer den Kollektenerlös erhält, bestimmt hingegen die Leitung der Seelsorgeeinheit der Kirchgemeinde, also der Pfarrei. Bei den Reformierten liegt der Entscheid in der Regel beim Pfarrer oder der Pfarrerin; bei den Katholiken liegt die Leitung der Seelsorge mangels geweihter Priester nicht selten bei Laien-Theolog(inn)en, oft gleichzeitig für mehrere Gemeinden, die in Seelsorgeverbänden oder Pfarreiräumen organisatorisch verbunden sind. Kollekten/Opfer werden gewöhnlich im Sonntags- und im Vorabend-Gottesdient erhoben, aber auch bei Abdankungen, Trauungen und weiteren Spezialgottesdiensten, die oft besser besucht sind als die regulären Sonntagsgottesdienste. Dabei bestimmen natürlich Hinterbliebene oder das Hochzeitspaar die Kollektenempfängerin.

Aus Spargründen finden solche aber nicht mehr immer in allen verfügbaren Kirchengebäuden statt. Ausserdem bestimmen die Kirchen für eine Reihe von Sonntagen selbst den Verwendungszweck. Etwa ein Dutzend Wochenenden pro Jahr nutzen die Reformierten für Pflichtkollekten und sammeln unter Titeln wie Pfingst-, Reformations-, Bibel- Jugendkollekte oder Zwingli-Fonds, „Kirche weltweit“, für evangelische Schulen sowie für HEKS, Brot für alle und Mission 21 in allen Gemeinden eines Kantons. Die Reformierte Kirche des Kantons Zürich listet zusätzlich etwa 50 zusätzliche Organisationen als Kollekten-Empfehlungen auf.

Deutlich mehr Sonntage sind aufgrund von Vorgaben der Bistümer in der katholischen Welt belegt, rund die Hälfte des Jahres. Hier sind die Opfer vorgegeben für den Papst, das Bistum, katholische Schulen und Universitäten, kirchliche Berufe, Medienarbeit, Christen im Heiligen Land, Kirchenrenovationen, sowie die Hilfswerke Caritas, Fastenopfer, Missio, Katholischer Frauenbund und Kinderhilfe Bethlehem. Die Pfarreileitungen verfügen nach ihrem Gutdünken also etwa noch über die Hälfte der Kollekten. Den Priestermangel überbrückende Temporär-Pfarrer sammeln oft gleich für Projekte ihres Heimatlandes.

Ein Artikel der Zeitschrift Reformiert hat das Total der Kollekten der Reformierten im Kanton Zürich auf rund 4,5 Millionen Franken im Jahr 2012 hochgerechnet. Die Pflichtkollekten machten 2017 etwa 800’000 Franken aus. Die regelmässigen Kirchgängerinnen spendeten demnach etwa 9.50 pro Gottesdienst und etwa 450 Franken im Jahr.

Der Zürcher Kirchenrat empfiehlt den Kirchgemeinden, 5% der ordentlichen Steuereinnahmen für die Arbeit von BfA, HEKS und Mission 21 zur Verfügung zu stellen. 2017 erhielten diese drei Werke zusammen so etwa 5,4 Millionen Franken, das HEKS allein 2,4 Millionen, aus dem Kanton Zürich.

Die ZEWO-Statistik weist kirchliche Spenden nicht gesondert aus, und das Swissfundraising-Spendenbarometer bezieht Institutionen nicht in die Befragung ein. Rechnet man aber die rund 10 Millionen Franken der Zürcher Reformierten aufs ganze Land hoch und berücksichtigt deren wohl eher überdurchschnittliche Finanzkraft, dürften sicher mehr als 50 Millionen, aber deutlich weniger als 100 Millionen pro Jahr an landeskirchlichen Beiträgen zusammenkommen.

Kirchennahe Organisationen wie die oben genannten beschäftigen Fundraising-Spezialisten, die ihre Beziehungen zu Pfarreien und Kirchgemeinden persönlich pflegen, insbesondere zu den grossen unter ihnen. Einzelvergabungen von grossen Landeskirchen oder grosser städtischer Kirchgemeinden können noch immer sechsstellige Summen umfassen.

Um Vergabungen und Kollekten bewerben sich zahlreiche kirchenferne Organisationen mit Serienbriefen, auf mehr oder weniger aufwändige Art. Oft richten sie sich an nur rudimentär ermittelte Adressen der Art «Ev.-ref. Kirchgemeinde, 4144 Arlesheim». Dabei wäre es problemlos möglich und würde die Erfolgsaussichten erhöhen, würden die Organisationen sich um eine förmliche und persönliche Ansprache der richtigen Instanz bemühen.

Noch die kleinste Kirchgemeinde verfügt heute über eine Webseite, die Namen und Titel verantwortlicher Personen preisgibt. Alternativ lassen sich solche in den Pfarrblättern und Kirchenboten, die jeweils den Serviceteil einer ganzen Region enthalten, herauslesen. Da finden sich oft auch Zahlen, wieviel an vergangenen Wochenenden für wen zusammen kam. Nationale Portale wie www.ref.ch und www.kath.ch enthalten Links zu allen kantonalen Einheiten, von wo aus Neugierige wiederum auf Gemeindeebene gelangen. Die Webseiten der kirchlichen Massenmedien www.reformiert.info,  www.kirchenbote-online.ch, www.kirche-heute.ch, www.forum-pfarrblatt.ch etc. bieten Zugriff auf die normalerweise 14-täglich erscheinenden Zeitungen der jeweiligen Landeskirchen. Während die reformierte Medienlandschaft in der deutschen Schweiz auf zwei Portale „eingedampft“ ist, sind die Katholiken noch viel föderalistischer.

Eine regionale und konfessionell neutrale Organisation wie das Basler Frauenhaus erhält jährlich immerhin etwa 5 Prozent seiner Spenden, indem es mit einem halben Dutzend Kirchgemeinden Kontakt hält; ähnliches gilt für die regionale Opferhilfe.

Kollekten aus Abdankungsgottesdiensten gehen oft an Organisationen im Gesundheitswesen; insbesondere Krebsliga und Krebsforschung Schweiz beziehen so seit vielen Jahren mehr als eine Million Franken pro Jahr. Sie kommen auch zu zahlreichen Adressen von Privaten und Institutionen, die nach Traueranzeigen direkt im Gedenken spenden. Erfahrungsgemäss bleibt es bei diesen Adressen bei der Trauerspende.

Das Kirchenjahr ist übrigens nur identisch mit dem Kalenderjahr, wenn es um Steuern, Budget und Rechnung geht. Für die Seelsorge startet das Jahr mit dem ersten Adventssonntag, und die Kollektenkalender sind nach diesem Beginn geordnet. Hohe Feiertage und das damit einhergehende verstärkte Gottesdienst-Publikum nutzen Reformierte wie Katholiken für obligatorische Kollekten für eigene und nahe Zwecke.