HomeNewsNeue Zewo-Studie: Hilfswerke haben stabile Kosten und Reserven

Neue Zewo-Studie: Hilfswerke haben stabile Kosten und Reserven

21.01.2021

Bei zertifizierten Hilfswerken kommen im Durchschnitt 81 von 100 Franken den Begünstigten zugute, 12 Franken wenden sie für die Administration auf und 7 Franken, um die benötigten Gelder zu erhalten. Ein mittleres Hilfswerk erwirtschaftet mit jedem Franken, den es für die Mittelbeschaffung einsetzt, 6 Spendenfranken. Ohne Einnahmen könnte es seine Arbeit während 7 Monaten fortsetzen und die Ausgaben aus seinem freien Kapital decken.

Dies geht aus der neuen Zewo-Studie «Kennzahlen zu Kosten und Reserven von Hilfswerken» hervor, welche die Universität Freiburg unter der Leitung von Prof. Markus Gmür im Auftrag der Zewo erstellt hat. Auf den ersten Blick sind die Kennzahlen im Vergleich zu den vier vorangegangenen Kennzahlenstudien der Zewo weitgehend stabil geblieben, was auf eine starke Robustheit der zertifizierten Hilfswerken hinweist.

Je mehr ein Hilfswerk von Spenden abhängt, um so effizienter sammelt es
Doch ein zweiter Blick lohnt sich. Denn wissenschaftlich fundierte Analysen bringen neue Erkenntnisse zu Tage: So kann erstmals nachgewiesen werden, dass der Anteil, den ein Hilfswerk für die Mittelbeschaffung ausgeben muss, solange steigt, bis es sich zu 60 Prozent aus Spenden finanziert. Dieser Ausgabenanteil sinkt wieder, sobald es sich zu 75 Prozent oder mehr aus Spenden finanziert, denn dann kommen Grössenvorteile und Skaleneffekte zum Tragen. Kurz gesagt: Wer kaum von Spenden abhängt, gibt zwar wenig für das Sammeln aus, sammelt aber oft nicht sehr effizient. Wer hingegen besonders stark von Spenden abhängt, muss zwar mehr aufwenden, um die benötigten Spenden zu erhalten, sammelt aber auch besonders effizient und erfolgreich.

Spendenabhängigkeit erklärt die Kosten am besten 
Die Abhängigkeit von Spenden ist der wichtigste Faktor, um die Kosten eines Hilfswerks angemessen zu beurteilen. Auch seine Grösse und der Umstand, ob es sich um eine Dachorganisation oder um eine Sektion handelt, spielen eine Rolle. Hingegen ist nicht entscheidend, ob es sich sozial engagiert oder für die Gesundheit einsetzt und ob es im In- oder Ausland arbeitet. Denn hinter den unterschiedlichen Kosten verbergen sich die anderen Faktoren: die Abhängigkeit von Spenden, die Grösse und die Struktur der Organisation. Mit den neuen Erkenntnissen lässt sich ein Rechner erstellen, der die Kosten eines Hilfswerks prognostiziert.

Reserven verstehen und im Einzelfall beurteilen
Auch um die Reserven eines Hilfswerks zu beurteilen, müssen verschiedene statistisch signifikante Faktoren berücksichtigt werden: Schwanken die Einnahmen eines Hilfswerks, benötigt es mehr Reserven als bei konstanten Einnahmen. Wächst eine Organisation stark, baut sie Reserven ab. Bei schrumpfenden Organisationen steigt die Reservequote hingegen. Der Anteil von Spenden und Legaten hat ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Reserven. Hilfswerke, die in der Entwicklungszusammenarbeit und in der humanitären Hilfe im Ausland tätig sind, verfügen über weniger Reserven als inländische Hilfswerke. Stiftungen haben mehr Rücklagen als Vereine. Angesichts der Vielfalt von gemeinnützigen Organisationen muss im Einzelfall beurteilt werden, wie viel Reserven für ein Hilfswerk angemessen sind.