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Spendenbereitschaft und Corona-Effekt

31.08.2020

Die Schweizer Bevölkerung wird im laufenden Jahr wohl gleich viel oder sogar etwas mehr als im Vorjahr spenden. Eher weniger als im Vorjahr spenden wollen vor allem jene Personen, denen die Corona-Situation nach wie vor Angst macht. Das zeigt eine repräsentative Umfrage zur Schweizer Konsumstimmung, die «Marketagent.com Schweiz» im Juni umgesetzt und im Auftrag von Swissfundraising mit spezifischen Fundraising-Fragen ergänzt hat. Befragt wurden insgesamt 1.000 Personen im Alter von 14 bis 74 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz.

– Ruth Wagner und Roger Tinner

Swissfundraising ist die Berufsorganisation der Fundraiser*innen in der Schweiz und daher besonders daran interessiert, wie sich der Spendenmarkt im Corona-Jahr 2020 insgesamt entwickelt und welche kurzfristigen Effekte sich zeigen. Swissfundraising fragt für den jährlichen «Spendenbarometer» die Bevölkerung seit fünf Jahren kontinuierlich und repräsentativ nach ihrem Spendenverhalten, das sich konstant auf hohem Niveau bewegt: 4 von 5 Haushalten spenden nämlich regelmässig. Nun ging es darum, im Rahmen einer Ad hoc-Befragung herauszufinden, ob die Solidarität in der unmittelbaren Corona-Krise (betrachteter Zeitraum April/Mai) besonders hoch war und ob sich die Unsicherheit der Lage auf das gesamte Spendenverhalten in diesem Jahr auswirken wird.

Solidarität: Ja, aber…

Während der akutesten Corona-Krise haben gemäss dieser Umfrage von Marketagent.com Schweiz «nur» 38 Prozent, also ein gutes Drittel der Bevölkerung im Alter von 14 bis 74 Jahren gespendet. Das ist im Vergleich mit den Zahlen des laufenden Swissfundraising-Monitorings, gemäss dem über 80 Prozent der Haushalte jedes Jahr spenden, deutlich weniger als erwartet. Die Befragung wurde allerdings rein online durchgeführt und die Generation ab 75 Jahren, die sehr spendenaffin ist, wurde gänzlich ausgeschlossen. Überraschend ist hinsichtlich berücksichtigten Spendenthemen, dass fast ein Viertel der Spendenden auch in der Corona-Zeit Natur-, Umwelt- und Tierschutz-Organisationen berücksichtig hat – während die «systemrelevanten» Themen erst danach folgen. Sozial- und Nothilfe folgt mit 17 Prozent erst auf Platz 2, vor Armutsbekämpfung mit 16 Prozent der Nennungen. Erst auf Platz 4 wurden Organisationen mit Corona-Soforthilfe-Projekten im Inland berücksichtigt. Am Ende der Skala stehen Kulturinstitutionen und Einzelkünstler*innen sowie Organisationen mit Corona-Soforthilfe-Projekten im Ausland (je 6 Prozent). Die neu als «Fundraisende» auftretenden Klein- und Mittelunternehmen wie Cafés und Restaurants wurden von 10 Prozent der Spenderinnen und Spender unterstützt.

Krise wirkt sich mittelfristig wenig aus

Gemäss eigener Einschätzung der Befragten wirkt sich die Corona-Krise nicht allzu stark auf das diesjährige Spendenverhalten aus und allfällige kurzfristige «Ausreisser» im Spendenverhalten werden aufs Jahr gesehen wohl geglättet. Von jenen 2/3 der Befragten, die bereits 2019 überhaupt gespendet haben, wollen 61 Prozent «gleich viel wie im Vorjahr» spenden, 17 Prozent wollen «etwas mehr» und 4 Prozent «deutlich mehr» spenden als im Vorjahr. Nur 4 Prozent wollen im Gegensatz zu 2019 diesmal gar nicht spenden, 5 Prozent «deutlich weniger» und weitere 9 Prozent «etwas weniger» geben. Bei Total 21 Prozent steigt also die Spendenbereitschaft im Krisenjahr sogar, bei 18 Prozent nimmt sie ab. Das sind gute Nachrichten für die NPO und ihre Spendenresultate 2020. Allerdings hängt das tatsächliche Spendenverhalten im Herbst und im besonders wichtigen letzten Quartal des Jahres aus Sicht von Swissfundraising stark davon ab, wie sich nebst den Fallzahlen die wirtschaftliche Situation entwickelt und wie stark eine allfällige Rezession ausfallen wird. Es ist zu hoffen, dass der von BAK Economics fürs Jahr hochgerechnete, durchschnittliche Lohnverlust von 1700 Franken (vor allem auf Kurzarbeit zurückzuführen) nicht ganz oder teilweise beim Spenden «ausgeglichen» wird.


Im elften #talkingtuesday stellten Swissfundraising-Geschäftsführer Roger Tinner, Martina Staub, Senior Research Consultant bei «Marketagent.com Schweiz», und Ruth Wagner, Autorin der jährlich erscheinenden Swissfundraising-Publikation «Spendenmarkt Schweiz», die Ergebnisse vor und diskutierten mit den Teilnehmenden. Swissfundraising-Mitglieder finden die Aufzeichnung im Memberbereich auf der Unterseite «talkingtuesday».