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Studie: Gemeinnützige Stiftungen lohnen sich für die Gesellschaft

02.07.2019

Stiftungen und SpenderInnen erhalten in der Schweiz sowie in fast allen europäischen Ländern Steuererleichterungen für ihre Zuwendungen. Dies in der Überzeugung, dass damit ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen wird, um Mittel zu generieren, die sonst nicht dem Gemeinwohl zufliessen würden. Eine von SwissFoundations initiierte und gemeinsam mit PwC Schweiz erarbeitete Studie liefert erstmalig in Europa einen überzeugenden finanzpolitischen Nachweis, dass sich gemeinnützige Stiftungen für die Schweizer Gesellschaft lohnen.

Bei der Gründung einer gemeinnützigen Stiftung und während ihrer Lebensdauer werden Stiftern und Stiftungen steuerliche Privilegien eingeräumt. Die vorliegende Untersuchung stellt die Mittel, die der Gesellschaft durch diese Steuerprivilegien entgehen, erstmals in Europa dem Gewinn gegenüber, den das Gemeinwohl in Form von Förderausschüttungen zurückerhält. Berechnet werden steuerlichen Folgen einer Stiftungsgründung beispielhaft anhand von Herrn Sigrist aus Zürich und Frau Dubois aus Lausanne. Die Personen stehen stellvertretend für zwei idealtypische Schweizer Stiftungspersönlichkeiten.

In der Schweiz zählt etwa die Hälfte der über 13’000 gemeinnützigen Stiftungen zum Typ der Förderstiftungen. Diese zeichnen sich durch zwei Besonderheiten aus: Erstens verfügen sie über ein eigenes Vermögen und finanzieren ihre Förderaktivitäten mit Erträgen daraus oder dem Vermögen selbst. Zweitens sind Förderstiftungen meistens nicht operativ tätig, sondern stellen ihre gemeinnützigen Mittel anderen Organisationen zur Verfügung. Die Studie nimmt zwei Arten gemeinnütziger Förderstiftungen in den Blick: Die kapitalerhaltende Stiftung und die Verbrauchsstiftung.

Break-even erfolgt nach maximal eineinhalb Jahren

Die beiden Vergleichsmodelle Herr Sigrist und Frau Dubois zeigen auf, dass die von ihnen gegründeten Stiftungen weitaus mehr Mittel ausschütten, als der Staat durch die Besteuerung der entsprechenden, privat angelegten Mittel erzielen könnte. Im Fall von Herrn Sigrist, der im Kanton Zürich eine kapitalerhaltende Stiftung errichtet hat, übersteigen die Ausschüttungen der Förderstiftung an die Gesellschaft die Steuereinbussen je nach Art der privaten Nutzung nach 214 Tagen bzw. maximal eineinhalb Jahren. Bei Frau Dubois, die im Kanton Waadt eine Verbrauchsstiftung gegründet hat, ist der Break-even bereits nach 78 bzw. 149 Tagen erreicht.

Im Kanton Obwalden lohnen sich Stiftungen gesellschaftlich am schnellsten

Im Rahmen der Berechnungen zeigen sich Unterschiede durch den kantonalen Steuerwettbewerb: Der Kantonsvergleich macht deutlich, dass sich Stiftungen für die Gesellschaft am schnellsten im Kanton Obwalden auszahlen. Dort wird der frühste Break-even bereits nach 29 Tagen erreicht, das Schlusslicht bildet in allen Berechnungen der Kanton Genf. Insbesondere am Beispiel des Kantons Basel-Land zeigt sich, dass Steuerersparnisse kein ausschlaggebendes Motiv für eine Stiftungsgründung sind. Obwohl die kantonalen Steuerbehörden dort bei Gründung einer gemeinnützigen Stiftung einen hundertprozentigen Steuerabzug erlauben, liegt der Kanton Basel-Land im unteren Mittelfeld der Schweizer Stiftungsstandorte.

Der Nutzen von Stiftungen überwiegt die Kosten bei weitem

Die Studie zeigt: Die Hypothese, dass sich Förderstiftungen für die Gesellschaft lohnen, ist mehr als eine blosse Selbstzuschreibung. Das Engagement für die Gesellschaft ist zurecht Grundlage für die Steuervergünstigungen, die der Staat Stiftern und Stiftungen einräumt, sowie für deren öffentliche Legitimation. Für die Schweiz, die mit über 13’000 gemeinnützigen Stiftungen und pro Kopf sechsmal mehr Stiftungen als die USA oder Deutschland einen globalen Spitzenplatz einnimmt, lohnt es sich besonders, der Attraktivität ihres Stiftungsstandortes Sorge zu tragen.

Die Studie «Stiftungen – Ein gutes Geschäft für die Gesellschaft», mitsamt kantonaler Steuervergleiche, steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.