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Wer vererbt gemeinnützig?

29.11.2021

Eine der zentralen Fragen im Nachlass Marketing lautet: «Was unterscheidet Menschen, die gemeinnützige Organisationen im Testament bedenken, von denen, die es nicht tun?» Denn wenn man das wüsste, könnte man gezielt nach ihnen suchen oder möglichst vielen das anbieten, was diese Entscheidung begünstigt. Die Allianz für das Gemeinwohl ist dieser Frage in einer Studie nachgegangen.

– Thomas Witte, Präsident der Allianz für das Gemeinwohl

Neben der Sensibilisierung zugunsten gemeinnütziger Testamente auf weiter-wirken.ch, führt die Allianz für das Gemeinwohl Studien und Umfragen mit dem Ziel durch, Wissen im Kontext von Testamentspenden zu generieren, welches unmittelbar für das Legacy Fundraising eingesetzt werden kann. Am 04. November 2021 wurde den Mitgliedern der Allianz die neuesten Resultate anlässlich einer Tagung in Bern vorgestellt.

Interessante Einblicke gibt die Umfrage, welche mit dem Schweizer Notarenverband, der Mitglied der Allianz ist, durchgeführt wurde. Es zeigt sich dort, das bei Schweizer Notaren seit Sommer 2020 in einem Umfeld tendenziell wachsender Nachfrage, insbesondere mehr Nachlass- und Nachfolgeberatungen durchgeführt wurden – Menschen sich also sichtlich mehr mit diesem Thema beschäftigen. Die Antworten auf die Frage, wie häufig Menschen in ihren Testamenten gemeinnützige Organisationen berücksichtigen, decken sich mit dem, was man aus dem Spenden- und Imagebarometer weiss – eine erfreuliche Bestätigung der Resultate aus der Perspektive von Notarinnen und Notaren.

Sehr spannend ist die in Bern vorgestellte Studie zu den Motiven hinter gemeinnützigen Testamenten. Diese basiert auf sogenannten teilbiographischen und episodischen narrativen Interviews, die im Unterschied zu klassischen sozialwissenschaftlichen Befragungen nicht anhand normierter Fragebogen mit vielen Personen durchgeführt werden. Denn wenn Menschen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen erzählen, werden ihre Handlungs- und Denkmuster deutlich – und nicht nur ihre Meinungen und kognitiven Konzepte. Die Personen für die Interviews wurden mit Unterstützung von Demoscope, seit kurzem Partner der Allianz für das Gemeinwohl, gesucht und gefunden. Durchgeführt haben die Interviews der Medienwissenschaftler Prof. Michael Müller und die Psychologin Christine Erlach.

Kurz zusammengefasst spielen echte Erlebnisse mit einer Organisationen eine gewichtige Rolle dabei, ob und welche Organisationen im Testament berücksichtigt werden. Diese Erlebnisse finden meist nicht erst im Alter statt und sind eher keine vordefinierten Touchpoints einer Donor Journey. Während Spenden spontanen, emotionalen «Schnellschüssen» gleichen, ist das Verfassen eines Testaments eine wohlüberlegte «Beziehungstat».

Mitglieder der Allianz erhalten die genannten Studien vollständig und nehmen an den Tagungen teil, an denen diese vorgestellt und diskutiert werden. Die oben erwähnte Studie sorgte für sehr inspirierende Gespräche, wie man sich unschwer vorstellen kann.