Künstliche Intelligenz im Fundraising – Stimmen aus Schweizer NPO
Artificial Intelligence (AI) – zu Deutsch: Künstliche Intelligenz (KI) – ist in den letzten Jahren und vor allem Monaten in vielen Bereichen unseres Lebens immer allgegenwärtiger. Und überall hört man vom grossen Potenzial, das AI-Tools bieten wollen und sollen. Sehen und/oder nutzen Schweizer NPO dieses Potenzial fürs Fundraising auch? Wir haben nachgefragt.
Margarete Neuenschwander, Leiterin Fundraising, OceanCare

«Wir nutzen KI täglich in Form von Deepl. Chat GPT setzen wir gelegentlich für die Ideenfindung ein. Ganze Texte waren bis jetzt noch zu wenig spezifisch oder gut genug. Bei Gelegenheit werde ich einen ersten Versuch mit einem simplen Stiftungsantrag machen – bin gespannt, aber erwarte noch nicht allzu viel.»
Steff Kerkhoff, Leiter Digitale Projekte, Krebsliga Schweiz

«Künstliche Intelligenz setzen wir bereits häufig für verschiedene Aufgaben ein, jedoch noch nicht für Selektionen für Mailings. Im zweiten Halbjahr 2024 werden wir erstmals KI-generierte Selektionen testen.»
Corinne Denzler, Geschäftsführerin, Demenz Forschung Schweiz

«In der Stiftung nutzen wir keine speziellen AI-Tools. Die Ausnahme ist vielleicht mal eine kleine Text-Inspiration von Chat GPT, aber nur als Inspiration und nicht komplette Texte. Selbstverständlich gibt es aber zum Teil AI in der Arbeit der von uns geförderten Forschungsgruppen. Wir gehören nicht zu den «First Movers», aber wir werden uns im Team im kommenden Jahr an Weiterbildungen mit dem Thema vermehrt auseinandersetzen. Ganz grundsätzlich finde ich den Einsatz von AI im Fundraising sinnvoll, wenn es hilft, repetitive, manuelle Tätigkeiten zu vereinfachen und so den Spenderfranken besser zu nutzen. Im Fundraising wird es aber immer den Faktor Mensch bzw. die persönlichen Beziehungen brauchen.»
Felix Freese, Head of Brand and Creation, UNICEF

«UNICEF arbeitet evidenzbasiert. Daher sind AI-Text-Tools ohne Quellenangaben wertlos. Überall dort, wo diese nicht benötigt werden, können sie eingesetzt werden. Konkret war das bei uns der Fall, als wir AI-generierte Bilder beim Swiss Economic Forum (SEF) für Plakate eingesetzt haben. Es gibt leider noch keine ethische Basis, die Quellenangaben fehlen und das Copyright ist nicht geklärt. Es braucht Labels, die klar erkenntlich machen, was mit Hilfe von AI generiert wurde. Es braucht Tools, die Fakes als solche kennzeichnen, und es braucht von Seiten der Plattformbetreiber klare Regeln, wie sie mit solchen umgehen.»
Gaby Brändli Ortiz, Head of Performance Marketing, UNICEF

«Ich fände es spannend, AI-Tools künftig neben der Content-Produktion auch als Unterstützung für Konzepte, Media- und Selektionspläne oder Marketing-Automationen auszuprobieren. Als Beispiel habe ich im Rahmen einer Spielerei ein AI-Tool aufgefordert, mir eine 5-teilige Willkommens-E-Mail-Marketing-Journey zu konzipieren. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Letztlich könnte es auch interessant sein, AI für Vorhersagen und Wahrscheinlichkeitsberechnungen (Predictive AI) im Fundraising einzusetzen. Bisher nutzen wir bei UNICEF AI-Tools aber noch nicht systematisch. Wir haben jedoch ein internes AI-Manifest entwickelt, das einen gewissen Handlungsrahmen absteckt. Ich denke, langfristig wird uns AI im Fundraising erlauben, mit den gleichen Ressourcen mehr für die Organisation zu erreichen, also effizienter zu arbeiten. Wir müssen aber sicherstellen, dass das Vertrauen der Spenderinnen und Spender nicht verloren geht.»
Christoph Keiser, Co-Leiter Abteilung Fundraising und Marketing, Caritas Schweiz

«Wir nutzen zum Teil schon KI-Tools im Fundraising. Im Bereich des Textens arbeiten wir mit Chat GPT 4 und Bing Chat, bei der Kreation der digitalen Werbemittel arbeiten wir zusammen mit unserer Digital Advertising Agentur mit dem Tool Neurons. Wir befinden uns aber bei allen Tools noch in einer Testphase und sind daran, erste Gehversuche zu machen. Grundsätzlich sind wir gegenüber KI im Fundraising positiv eingestellt. Wir sind überzeugt, dass wir mit KI unsere Effizienz steigern und unsere zielgerichtete Ansprache verbessern können. Jedoch müssen wir uns auch im Klaren sein, was der Einsatz der Tools in Bezug auf Datenschutz, Ethik und Kosten mit sich bringt.»
Claudia Forcellini, Fundraising Overview, Greenpeace Schweiz

«Greenpeace nutzt in anderen Ländern bereits seit einigen Jahren Künstliche Intelligenz im Fundraising, vor allem, um durch Machine Learning-Vorhersagen zur Spendenwahrscheinlichkeit die Selektionen zu verbessern. Alle Betroffenen sehen einen gewissen Mehrwert, abhängig davon, wie ausgereift die Selektionskriterien bereits vorher waren und wie viele Daten zur Verfügung stehen, um das Modell zu trainieren und im Einsatz zu optimieren. Als Greenpeace Schweiz sind wir in der Abklärung, solche KI-Lösungen einzuführen, da wir einen Mehrwert sehen, Kosten und Ressourcen bei Mailing-Versänden zu sparen und auch eine gezieltere Supporter-Ansprache zu erreichen. Da wir erst kürzlich unser CRM gewechselt haben, müssen wir vorher ein paar Aufgaben dafür lösen.
Ein anderes KI-Einsatzgebiet ist die Inspiration, Recherche und Content-Kreation mit Hilfe von Generativer AI wie Chat GPT. Dies wird vereinzelt und mit Vorsicht eingesetzt, entsprechend den Limits der Tools. Da das Prompten sehr viel Energie benötigt, empfehlen wir allen Mitarbeitenden, sehr zielgerichtet damit zu arbeiten. Eine von Fachpersonen getextete Spendenanfrage kann damit nicht ersetzt werden, aber es kann durchaus eine erste Inspirationsquelle dafür generiert werden.»
Nadine Netzhammer, Head of Fundraising, VIER PFOTEN

«Das Thema KI/AI im Fundraising ist zweifellos von grosser Bedeutung. Momentan befinden wir uns allerdings noch in einer Recherche-Phase: Wir nutzen noch keine AI-Tools. Unser Fokus liegt darauf, die Möglichkeiten und Potenziale, aber auch Risiken dieser Technologien besser zu verstehen, um sie zukünftig möglicherweise gezielter einzusetzen.»
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